Standardsoftware für Kernprozesse verändert die Spielregeln

KEYLANE 5 Mai, 2017

Neue Chancen für Versicherer, ihre Leistungsfähigkeit zu steigern und Kosten zu senken

Der Paradigmenwechsel findet schleichend statt: Automatisierung und Digitalisierung lassen die Anforderungen an Kernprozess-Software stetig wachsen. Gleichzeitig verfügen immer weniger Unternehmen über ausreichende Ressourcen zur Weiter- oder Neuentwicklung ihrer IT-Systeme. Und schließlich bietet die Entwicklung eigener Kernprozess-Software kaum mehr strategische Vorteile. Nun eröffnen sich Versicherern aber neue Chancen, mit ausgereifter Standardsoftware die Performance und Leistungskennzahlen wie Dunkelverarbeitung oder automatisierte Betrugserkennung deutlich zu steigern.

Viele IT-Systemarchitekturen stammen noch aus den 1980er Jahren. Längst erforderliche Veränderungen sind heute kostenintensiv, benötigen Personal und Zeit. Aber gerade an diesen notwendigen Ressourcen mangelt es bei vielen Unternehmen, teilweise geht ihnen bei der Umstellung unterwegs die Luft aus, es wechseln Prioritäten und Rahmenbedingungen. IT-Systeme werden daher zumeist lediglich schrittweise erneuert. Es entstehen neue Bereiche, bestehende werden nacheinander ergänzt und erweitert. Doch die wachsende Vielzahl der so entstandenen Frontend- zu Backend-Verbindungen sind oft wenig effizient. Vielerorts sind zudem Teams in verschiedenen Bereichen mit ähnlichen Aufgaben befasst und produzieren nicht selten Insellösungen. So entstehen Redundanzen, die Systeme in langsame, wartungsintensive und vor allem teure Dickschiffe verwandelt haben. Eine steigende Anzahl an Systemen weisen mittlerweile so gravierende Mängel auf, die nicht mehr zu beheben sind. Als Handlungsoptionen bleiben vielen Unternehmen daher nur noch zwei Auswege aus der Misere: Zum einen die vollständige Neuentwicklung eigener Kernprozess-Software oder, zum anderen, der Einsatz einer bereits praxiserprobten Standard-Kernprozess-Software.

Wachsende Anforderungen

Klar ist: Die Entwicklung von neuer Kernprozess-Software orientiert sich an den Anforderungen von morgen. Für die Versicherungsbranche sind die Hauptfelder schnell aufgezählt: das andauernde Niedrigzinsumfeld, die verschärften Richtlinien durch Solvency II, das veränderte Kundenverhalten, die gestiegenen Anforderungen zur Datensicherheit und der harte Wettbewerbsdruck.

Obendrein ist die Digitalisierung in der Versicherungswirtschaft endgültig angekommen – die Kunden von morgen agieren vollständig digital. Denken Sie allein an mitdenkende Roboter, selbstfahrende Autos oder die vorausschauende Diagnostik. Allmählich entstehen autonome Systeme, die ganz ohne Interaktion mit dem Verbraucher Geschäftsvorgänge vornehmen. Auch hier muss sich die Versicherungswirtschaft fragen: Was bedeutet dies für uns, für unser zukünftiges Geschäft, für die Entwicklung von neuen Versicherungsangeboten? Und die Schlüsselfrage aus Sicht der IT lautet: Mit welcher Kernprozess-Software können wir diesen Anforderungen auch morgen gerecht werden?

Leistungsfähige Standardsoftware

Aktuelle Studien von McKinsey belegen: Stufenweise Veränderungen von IT-Systemen können das Wachstum und die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen gefährlich verlangsamen. Entscheidende Schritte nach vorn bringen laut McKinsey umfassende Erneuerungen und End-to-End-Modernisierungen. Bei der Neuentwicklung von IT-Strukturen sollte also „groß“ gedacht werden, mithin müssen Systeme den Anforderungen wie Omni-Channel und der Informationsgewinnung aus großen Datenmengen gerecht werden. Die gute Nachricht: Die Leistungsfähigkeit von Standardsoftware für Versicherungen ist in den vergangenen Jahren enorm gestiegen. So können Versicherer heute bereits durch den Einsatz von Standardsoftware für Kernprozesse im ersten Jahr die sogenannte STP-Rate, also die Quote der Dunkelverarbeitung, um 10-20 Prozentpunkte auf über 85 Prozent steigern.

Standardsoftware in eigener Cloud – SaaS

Selbstverständlich kann Standardsoftware im Eigenbetrieb stationär eingesetzt werden. Zu den wichtigen Instrumenten, um den digitalen Wandel erfolgreich für sich zu nutzen, zählen aber auch IT-Lösungen aus der Cloud. Längst nutzt die überwältigende Mehrheit der Unternehmen weltweit cloudbasierte Anwendungen für unzählige Funktionen, die von E-Mail-Programmen über das Teilen von Dokumenten bis hin zur Lohnabrechnung reichen. Cloud-Dienste wie SaaS („Software as a Service“) sind dabei nicht mehr und nicht weniger ein Liefermodell, die Software selbst liegt dabei in den Hochleistungsrechenzentren der jeweiligen Anbieter und wird online auf den Computern der Unternehmen zur Verfügung gestellt.

Die Gründe, weswegen sich immer mehr Unternehmen für SaaS-Lösungen entscheiden, sind vielschichtig. Laut aktueller Umfragen von Gartner und BARC sind Kosteneinsparungen der vorrangigste Grund. Und tatsächlich reduzieren sich die Kosten für Erwerb, Anpassung, Einführung und laufende Betreuung im Vergleich zu herkömmlichen Anwendungen drastisch. Was immer mehr Versicherer zusätzlich anspricht: Da SaaS-Anbieter die Kosten für Wartung und Upgrade auf einen breiteren Kundenstamm verteilen können, fließen hohe Investitionen in stets aktuelle Überwachungs- und Sicherheitsmaßnahmen, die für einen einzelnen Systembetreiber in der Regel finanziell nicht tragfähig wären.

Große Veränderungen, große Chancen

Ein anderer wichtiger Punkt für die Versicherungswirtschaft ist die reibungslose Einführung neuer Software. Standardsoftware steht sofort zur Verfügung, ist vergleichsweise schnell einsetzbar und konfigurierbar. Als Lizenzmodell ist Standardsoftware für Kernprozesse zudem voll skalierbar, damit sind schrittweise Migrationen von Vertragsbündeln und Sparten möglich und machen den Wechsel auf neue Kernprozess-Software leichter als früher. Das Risiko von Migrationen wird also deutlich kleiner.

Nicht zu unterschätzen ist auch das Einsparpotenzial, das durch den Einsatz von Standardsoftware entsteht. Studien von McKinsey aus 2015 weisen eine Kostenersparnis in Höhe von bis zu 25 Prozent auf, Versicherer sprechen heute bereits von bis zu 50 Prozent. Spätestens an dieser Stelle wird die Dimension des Paradigmenwechsels sehr deutlich. Standardsoftware wird vielen Versicherern helfen, fit für die digitale Zukunft zu werden. Ob diese umfassenden Veränderungen auch strategisch oder unternehmens-politisch gewollt sind, muss jedes Unternehmen für sich entscheiden. So geht es bei der Erneuerung der Kernprozess-Software vielerorts auch um einen tiefgreifenden Kulturwandel, in den das gesamte Unternehmen eingebunden ist.